Kauf schlägt Miete

Frankfurt am Main, den 14.03.2016

Kaufen oder mieten? Rolf Hakel, Finanzierungsexperte der Volksbank Griesheim, weist auf eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hin. Das Ergebnis: In allen 402 Landkreisen Deutschlands lohnt sich der Immobilienkauf mehr als das Mieten. Der Kostenvorteil liegt im Schnitt bei mehr als 30 Prozent.

Wohneigentum als Anlagealternative und als Altersvorsorge-Instrument gewinnt weiter an Bedeutung – und das nicht nur aufgrund niedriger Zinsen. Das bestätigt auch die Studie, die die Miet- mit den sogenannten Selbstnutzerkosten pro Quadratmeter im 3. Quartal 2015 vergleicht. Die Selbstnutzerkosten setzen sich zusammen aus dem durchschnittlichen Kaufpreis einer Immobilie inkl. Grunderwerbssteuer, den Zinskosten für das benötigte Fremdkapital, den entgangenen Zinsen für das eingesetzte Eigenkapital, den Instandsetzungskosten und dem Substanzverlust der Immobilie als Anteil des Kaufpreises sowie dem Wertzuwachs des Objekts. Legt man diese Kriterien zugrunde, belaufen sich die Kosten pro Quadratmeter für angehende Eigentümer im Bundesdurchschnitt auf 4,60 Euro, die Mietkosten hingegen auf 6,80 Euro. Damit zahlen Mieter derzeit rund ein Drittel mehr fürs Wohnen als Immobilienkäufer. Der Kostenvorteil für Eigentümer steigert sich seit 2011 stetig. Dabei kompensieren die niedrigen Zinsen selbst die steigenden Kaufpreise für Immobilien.

Dennoch gibt es regionale Unterschiede beim Vergleich von Miet- und Selbstnutzerkosten: Gerade in den neuen Bundesländern liegt der Vorteil von Wohneigentum gegenüber Miete oft bei 50 Prozent. Den höchsten Unterschied erreicht der Landkreis Wittenberg in Sachsen-Anhalt mit einem Kostenvorteil von 58,5 Prozent. Im bayerischen Landkreis Miesbach liegen Selbstnutzer- und Mietkosten am nächsten beieinander: Hier beträgt der Abstand 6,8 Prozent.

Was passiert, wenn die Zinsen steigen?
Selbst bei einem plötzlichen Zinsanstieg lohnt sich der Immobilienkauf weiter, so die Studie. Preiskorrekturen am Markt sind nämlich nur dann zu erwarten, wenn die Selbstnutzerkosten die Mieten übersteigen. Übersteigen die Marktzinsen den neutralen Zins, könnte es zu Preiskorrekturen kommen. Derzeit ist dies aber nicht erkennbar. Bei der Mehrheit der untersuchten Kreise liegt der neutrale Zins deutlich über drei oder, wie bei fast der Hälfte der Kreise, bei über vier Prozent. Wohneigentum bleibt also bis zu einem Darlehenszins von vier Prozent gegenüber Mieten vorteilhaft.

Hält der Trend zum Wohneigentum an?
Dass viele Deutsche Wohneigentum als attraktiv einstufen, spiegelt sich im Suchverhalten der Haushalte. Dazu hat das IW die Suchanfragen bei Immobilienscout24 ausgewertet. Das Ergebnis: Seit einigen Jahren steigt der Anteil der Kaufgesuche an allen Wohnungsnachfragen deutlich an. Der Anteil der Haushalte mit selbstgenutztem Wohneigentum ist im Vergleich zu anderen Industriestaaten in Deutschland historisch bedingt gering, liegt derzeit bei 46 Prozent und könnte bis 2020 erstmals über die Marke von 50 Prozent steigen. Die IW-Studie zeigt: Kaufen ist nicht nur subjektiv die bessere Alternative zum Mieten, sondern bietet auch objektiv klare Kostenvorteile.

Rolf Hakel, Finanzierungsexperte der Volksbank Griesheim, weist darauf hin, dass sich der Immobilienkauf mehr lohnt als das Mieten.